Beziehungen und Würde
Beziehungen gehören für mich zum Leben. Tragfähig werden sie für mich dann, wenn ich mich selbst darin nicht verlasse – und der Kontakt zur eigenen Würde erhalten bleibt.
Mein Weg beginnt in meiner Ursprungsfamilie. Und er ist noch nicht zu Ende.
Es ist mein Weg mit meiner eigenen Geschichte. Lange habe ich überlegt, wie viel ich davon auf meiner Webseite teilen möchte. Entscheidend war für mich ein einfacher Gedanke:
Ich weiß nicht, wer diese Zeilen liest und mit mir in Beziehung tritt. Im Laufe der Zeit ist mir immer wichtiger geworden, in der persönlichen Begegnung zu unterscheiden, was wesentlich ist – und was nicht.
Was ich hier sagen kann, ist, was mich geprägt hat – in verschiedenen Lebensbereichen, ohne ins Detail gehen zu müssen.
Der rote Faden meines Lebens
Der rote Faden meines Lebens ist Vertrauen.
Lange Zeit habe ich anderen Menschen mehr vertraut als mir selbst. Ich habe viele Kompromisse geschlossen, die für mich – im Rückblick – nicht tragbar waren.
In Partnerschaften.
In der Familie.
In Unternehmen.
Das hat mich vieles gelehrt – manchmal auf eine harte Weise.
Krisen, Missbrauch, Machtspiele und Verletzungen haben irgendwann eine einfache Frage in mir ausgelöst:
Wie kann ich weitergehen, damit es mir wieder besser geht?
Heute würde ich es so sagen:
Bei mir bleiben – während Beziehung geschieht.
Über diesen Satz habe ich früher nicht nachgedacht. Ich habe Beziehungen gelebt – oft um jeden Preis. Privat und beruflich. Erst mit den Jahren hat sich etwas verändert.
Erfahrungen in Beziehungen
Mein Leben hat mich immer wieder auf die Probe gestellt – in Partnerschaften, in der Familie und in Unternehmen. In allen drei Räumen wirken Nähe, Erwartungen, Verantwortung, finanzielle Abhängigkeiten und auch Macht. Trennen lassen sich die Räume zwar strukturell, aber die Beziehungen darin haben keine räumlichen Grenzen.
In Unternehmen habe ich viele Rollen erlebt – im Zusammenhang mit meiner eigenen Rolle und auf unterschiedlichen Hierarchieebenen: als Industriekauffrau und Diplom-Kauffrau, in kleinen und mittelständischen Unternehmen ebenso wie im Großkonzern.
Später bin ich als Mutter in den öffentlichen Dienst gegangen, weil ich als Alleinerziehende andere Rahmenbedingungen brauchte.
Egal, wo ich war – Beziehungen waren immer der entscheidende Faktor und sie hatten Einfluss auf meine eigenen Handlungen.
Der Wendepunkt
Irgendwann hat mich die Ursprungsfamilie wieder eingeholt – der Ort, an dem alles begonnen hat.
Bis ich wirklich verstanden habe, was dort seinen Anfang genommen hat und welche Auswirkungen dies auf mein gesamtes Leben hatte, sind viele Jahre vergangen.
Es war ein Lernprozess – mit weiteren Höhen und Tiefen in Beziehungen. Dabei habe ich etwas Entscheidendes verinnerlicht:
Entwürdigung bedeutet nicht unbedingt Ohnmacht.
Sie kann auch etwas anders bewirken – den Kontakt zur eigenen Würde wieder herzustellen.
Die größte Herausforderung
Die größte Herausforderung dabei war mein Verstand. Ständig kreiste er zwischen vergangenen Situationen, gegenwärtigen Beziehungen und Zukunftsängsten. Alles wurde dann gleichzeitig zu schwer. Mein Seelenschmerz machte mich schließlich darauf aufmerksam.
Irgendwann hat vor allem mein Körper mir gezeigt, dass es so nicht weitergeht.
Was ich in dieser Zeit lernen durfte, war vor allem eines:
Bei mir zu bleiben – egal, was geschieht.
Dadurch entwickelten sich Selbstvertrauen und Urvertrauen zugleich. Und die Eigenverantwortung, bei mir zu bleiben, entlastete meine Gedanken.
Was ich irgendwann verinnerlicht hatte
Zuerst den Moment wahrzunehmen.
Zu entschleunigen und innere Ruhe herzustellen.
Entscheidungen aus Klarheit zu treffen – anstatt aus Angst.
Beziehungskonflikte nicht vorschnell zu bewerten, sondern Spannungen auch einmal da sein zu lassen.
Eigene Signale ernst zu nehmen – auf körperlicher, geistiger und seelischer Ebene – innere Kohärenz herzustellen und integer zu handeln.
Mein Weg – angefangen in meiner Ursprungsfamilie – hat mich erkennen lassen, was wichtig ist, damit Beziehungen tragfähig werden:
Die eigenen Grenzen zu erkennen.
Und die Grenzen anderer zu akzeptieren.
Es war kein einfacher Weg. Aber heute kann ich sagen: Es hat sich gelohnt, genauer hinzuschauen – und zu unterscheiden:
Was ist meins?
Und was gehört zu den anderen?
Mein heutiges Leben – Wahrnehmen. Unterscheiden. Bei mir bleiben.
Heute gestalte ich mein Leben und meine Arbeit mit einer Mischung aus Intuition und Realitätsbezug. Grenzen machen mir keine Angst mehr, weil ich gelernt habe, Begrenzungen zu akzeptieren.
Ich kann Räume halten, die für andere manchmal schwierig oder sogar gefährlich wirken.
Meine Wahrnehmung hat sich verändert. Und meine wichtigste Fähigkeit ist heute:
zu unterscheiden und Klarheit zu gewinnen in der Frage:
Worum geht es wirklich?
Und so lange dranzubleiben, bis es stimmig und tragfähig ist.
Meine berufliche Basis
Wenn Menschen mich fragen, mit welchen Methoden ich arbeite, halte ich kurz inne und sage:
Ich kann es nicht genau benennen – weil die Antwort mehr ist als Worte. Vielleicht trifft es das am ehesten:
Menschlich.
Intuitiv.
Situativ.
Gegenwärtig.
Und immer im Kontakt mit Würde.
Aber ich weiß auch, dass Vertrauen – gerade im beruflichen Kontext – manchmal über Titel entsteht.
Deshalb kann ich auch sagen, dass mein Weg geprägt ist durch all meine Tätigkeiten und Ausbildungen – mit vielen konzeptionellen und methodischen Ansätzen und in unterschiedlichen Rollen, unter anderem als:
Industriekauffrau
Diplom-Kauffrau
Zertifizierte Coach und Beraterin
Risikomanagerin, Revisorin und Vorstandsassistentin für Finanzen
Unternehmerin und Freiberufliche
Jobcoach, Karriereberaterin und Socialcoach
Dozentin für Workshops und Schulungen
Begleiterin von Führungskräften und Menschen auf allen Hierarchiestufen, in unterschiedlichen Branchen.
Partnerin
Mutter – zeitweise auch alleinerziehend
Und eines war immer vorhanden:
Beziehungen.
Auf allen Ebenen.
In unterschiedlichen Systemen.
In unterschiedlicher Verantwortung.
Mein Weg in Beziehungen geht weiter.
Und genau daraus besteht heute meine Arbeit.
Meine Freude dabei speist sich aus einem einfachen Satz:
bei mir bleiben – während Beziehung geschieht.